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Horst Szymaniak: Aus Erkenschwick in die weite Welt

Horst Szymaniak kommt aus einer Zeit, in der man beim Fußball noch von Läufern und Halbstürmern gesprochen hat. Eigentlich hätte Szymaniak einen wesentlich höheren Bekanntheitsgrad haben müssen. Das liegt zum einen an seinen sportlichen Leistungen zum anderen, aber auch an den Geschichten und Legenden, die sich um Szymaniak ranken. Geboren wurde er 1934 in Oer-Erkenschwick. Da blieb Syzmaniak nichts anderes als bei der ruhmreichen SpVgg. Erkenschwick das Fußballspielen zu lernen. Es soll dabei nicht unterschlagen werden, dass die SpVgg. Erkenschwick kämpfte damals in der Oberliga West, der höchsten deutschen Spielklasse um Punkte. Aus Erkenschwick führte er in seinem Weg über den Wuppertaler SV, den KSC, Catania, Inter Mailand, FC Varese, Tasmania Berlin, FC Biel zu den Chicago Spurs. In 339 Spielen für seine Teams kam er insgesamt auf 35 Tore.

In die A-Nationalmannschaft wurde er zwischen 1956 und 1966 insgesamt 43-mal berufen, dabei nahm er zwei Weltmeisterschaften teil und erzielte zwei Tore. Auch wenn er mit Fritz Walter und Franz Beckenbauer gemeinsam auf dem Feld stand, holte er aktiv keine Titel. Als Inter Mailand 1964 den Europapokal der Landesmeister holte, war er im Finale allerdings nur Zuschauer.

Er gilt als einer der letzten Fußballer aus dem Bergarbeiter-Milieu. Heute unvorstellbar, doch früher sind Fußballer einem regulären Beruf nachgegangen, im Ruhrgebiet waren viele Kicker Kumpel, wie man die Bergleute hier auch nennt.

Mindestens genauso spannend wie seine Karriere sind die Legenden, die über den Erkenschwicker berichtet werden. Er soll bei Gehaltsverhandlungen ein Viertel statt einem Drittel mehr gefordert haben. Die Quellen beziehen sich auf verschiedene Zeiträume und verschiedene Vereine, bei denen das passiert sein soll. Szymaniak hat das stets abgestritten und auch gegen die Behauptungen geklagt.

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Genauso falsch ist es, dass er in einer Weltauswahl gespielt haben soll. Als Bademeister war er auch niemals aktiv. Allerdings stand er beim einem Benefizspiel 1964 im Kader einer Europaauswahl. Damals ging es um Spenden für die Erdbebenopfer im heute nordmazedonischen Skopje.

Wahr ist aber, dass Drehbuchautor Martin Gies seine Figur, den Duisburger Tatort-Kommissar Horst Schimanski nach Szymaniak benannte. Der Erkenschwicker war bis zu seinem Tode SPD-Mitglied und hat die sozialen Entwicklungen in Deutschland immer verfolgt.

2005 erlitt er einen  Schlaganfall und verbrachte seine letzten Lebensjahre in einem Altenheim in Melle-Wellingholzhausen.

Quellen:

SpVgg Erkenschwick – Vereinsprofil | Transfermarkt

Horst Szymaniak – Wikipedia