Das es dem Land Afghanistan schlecht geht, ist jetzt kein großes Geheimnis. Nachdem die internationalen Truppen dort abgezogen sind, haben die Taliban die Kontrolle übernommen und das „islamische Emirat Afghanistan“ ausgerufen. Die Taliban herrschen totalitär und treten die Menschenrechte mit beiden Füßen. Dazu gehören willkürliche Festnahmen, Folter und Mord. Es gibt keine Frauenrechte und auch keine Meinungsfreiheit. Im Demokratieindex liegt Afghanistan seit 2021 auf dem letzten Platz. Die meisten Afghan*innen leben in Armut und 30 Prozent der Bevölkerung sind unterernährt und leiden an Hunger.
Auch von 1979 bis 1992 gab es in Afghanistan keinen Frieden. 1979 marschierten sowjetische Truppen in Afghanistan ein, eine Allianz aus den USA, Saudi-Arabien und Pakistan unterstützten die Afghanen im Kampf gegen die Sowjetunion. Es dauerte allerdings bis 1992, bis die Sowjets wieder abzogen. Fünf Jahre später kamen die Taliban an die Macht, setzten die Scharia durch und gewährten auch den Terroristen Unterschlupf, die am 11. September 2001 die USA angriffen.
Unter der Kontrolle der USA und deren Verbündeten stabilisierte sich die Lage in Afghanistan , allerdings nur bis zum Abzug der westlichen Truppen. Das die Afghaninnen und Afghanen aktuell und auch in der Vergangenheit andere Sorgen hatten als Fußball liegt auf der Hand.
Dabei hat der Fußball in Afghanistan eine große Tradition. Britische Lehrer brachten den Sport um 1880 ins Land, 1919 wurde die „Afghanistan Football Federation“ gegründet. Erster Fußballverein war der Mahmoudiyeh FC. Die nahmen an einem Turnier im damaligen Britisch-Indien teil und gewannen acht von achtzehn Spielen. Trotzdem dauerte es seine Zeit, bis weitere Vereine gegründet wurden.

1941 gründete sich der Ariana Kabul FC und man feierte seine Länderspielpremiere. Gegen den Iran holte man damals ein 0:0. Die nationale Fußballliga startete 1956, zwei Jahre später qualifizierte sich die Nationalmannschaft für Olympia und 1954 gründete man die Asian Football Confederation. Warum es zwischen dem Ende der 1950er- und dem Ende der 1960er-Jahre keinen Ligabetrieb und keine Länderspiele mehr gab, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.
Es waren dann die 60er-Jahre als der Fußball wieder auf dem Siegeszug war. Die jungen Afghaninnen und Afghanen richteten sich gen Westen und 1969 war es die Habibia High School, die den Fußballbetrieb wieder aufgenommen hat. Es dauerte bis zur Saison 1970/1971, in der der Ligabetrieb wieder, wenn auch nur mit 13 Mannschaften aus Kabul, einen Neuanfang startete.
Organisierten Fußball gab es aber wenig später auch in Masar-e Sharif, sowie in Herat und Kandahar. Allerdings stoppte die russische Invasion den Ligabetrieb. 1984 gab es wieder Spiele der Nationalmannschaft, aber es standen kaum noch Plätze zur Verfügung. 1984/1985 stellte dann auch die Kabul Premier League den Spielbetrieb ein.

Doch nach dem Ende, bzw. kurz davor, gab es bereits wieder erste Fußballturniere. Als die sowjetischen Truppen endgültig abgezogen sind, der Bürgerkrieg war da aber noch im Gange, startete die Kabul Premier League erneut. Als die Taliban allerdings erstmalig die Macht übernahmen war schnell Schluss mit dem beliebten Sport. Später wurde das Verbot aufgeweicht. Aber nur für Männer, für Frauen war Fußball gänzlich verboten. Männer musste lange Bekleidung und eine Kopfbedeckung tragen, jubeln war grundsätzlich verboten. In der Halbzeitpause wurde Exekutionen durchgeführt.
Kein Wunder, das der Fußball seine Beliebtheit eingebüßt hatte. Die Menschen interessierten sich eher für Cricket, das hatten die Exilafghanen, die aus Pakistan zurückgekehrt waren mitgebracht. Die FIFA investierte 2002 40.000 $, die sich lohnen sollten. 2002 nahm eine Auswahl an den Asienspielen teil, 2003 qualifizierte man sich für die Südasienmeisterschaft. Deutschland begleitete den Aufbau über mehrere Jahre mit, gefördert wurde das Projekt nicht nur vom DFB, sondern auch von Olympischen Sportbund, dem Auswärtigen Amt und den Vereinten Nationen.
Man wollte den nicht nur den Kinder-, Jugend- und Amateurfußball fördern, sondern auch Trainer ausbilden und die Nationalmannschaften reaktivieren. Dadurch wurde sogar eine Frauen-Nationalmannschaft gegründet, die Zusammenarbeit endete 2009. Aktuell scheint es in Afghanistan erneut keinen Ligabetrieb zu geben.

Quellen:




