Fußballstadien sind Hexenkessel. Manche sind auch Schmelztigel. In den meisten von ihnen findet man gesellschaftliche Entwicklungen wie unter einem Brennglas. Das gilt auch, wenn nicht sogar in einer ganz besonderen Form, für das Stadion Rajko Mitic. Das Stadion liegt relativ zentral im Stadtteil Savski Venac südlich der Donau. Dass die Fans von Roter Stern Belgrad einen so hohen Bekanntheitsgrad haben, liegt aber vor allem an ihrer Gewaltbereitschaft.
Deswegen war man im österreichischen Graz und auch Sturm Graz nicht böse, dass man die serbischen „Fans“ mit einem Reiseverbot belegt. Als Wiederholungstäter waren die Serben mit einer Bewährungsstrafe belegt worden. Dazu kam eine Geldstrafe von 62.000 Euro. Allerdings hat die UEFA die Strafe wieder einkassiert und zahlreiche Belgrader durften dann doch noch nach Österreich reisen.
Die Reisegruppe von Roter Stern ist nicht nur bekannt für ihre Gewaltexzesse, sondern auch für den massiven Einsatz von Pyrotechnik. Dazu gelten sie als Nationalistisch und streng orthodox. Das bringt eine ausgeprägte Nähe zu Russland mit sich und bietet eine explosive Mischung. Und das nicht nur beim Auswärtsspiel in Graz. Die Verbundenheit zu Russland zeigt sich auch durch die Fanfreundschaft mit Spartak Moskau. Das Spiel in Graz gewann das Team aus der serbischen Hauptstadt im Übrigen mit 0:1.
Bereits Ende der 1980 haben sich die Ultra-Gruppen „Zulu Warriors“, die „Red Devils“ und andere Ultra-Gruppen unter dem Namen „Delije“ vereint. Die Mutigen, das heißt Delije auf deutsch, haben während des Jugoslawien-Krieges Slobodan Milosevic und andere nationalistische Politiker unterstützt. Die „Serbische Freiwilligengarde“ eine paramilitärische Gruppen während des Krieges hat sich quasi aus Anhängern von Roter Stern Belgrad rekrutiert.
Politisch sind die Mitglieder der „Delije“ noch immer. Und noch immer mit klar nationalistischen Äußerungen. Die Meinungsbildung zur Unabhängigkeit des Kosovo geht weit über den Patriotismus hinaus. Der Nationalismus wird dabei genauso zur Schau gestellt, wie das orthodoxe Weltbild. Wer allerdings glaubt, dass die Ultras damit ins Visier der Justiz geraten ist, begibt sich auf den Holzweg. Staat und Ultras profitieren durchaus von einander und kooperieren daher auf die ein oder andere Art.
Genauso offen zeigt man seine Nähe zu Russland und zu Vladimir Putin. In einer Choreo zeigte man Gräber vor einer ukrainischen Flagge. Konsequenzen hierfür? Gab es natürlich nicht. Wie viele Menschen zum engen Kreis gehören, soll nicht klar sein. Genauso unklar ist das Mobilisierungspotenzial.
Manch einer behauptet, dass die Auseinandersetzungen zwischen Roter Stern Belgrad und DInamo Zagreb Grund für den Jugoslawienkrieg gewesen seien. Experten sehen das heute allerdings anders. Klar ist aber, dass der die Zeit des Krieges für viele Ultras identitätsstiftend war. Was früher für den Krieg gegen die Menschen in Bosnien und Kroatien war, ist heute der Traum von einer „Befreiung des Kosovos“.
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