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Wolfsburger Führungsversagen

Man braucht keine besondere Fußballexpertise, um festzustellen, dass es schlecht um den VfL Wolfsburg steht. Nach der deutlichen 0:4-Niederlage beim VfB Stuttgart und den Siegen von Werder Bremen und dem FC St. Pauli liegen die Niedersachsen nun auf dem vorletzten Tabellenplatz. Die VW-Kicker konnten dabei erst fünf Spiele gewinnen. Damit ist man zwar gleichauf mit Mainz 05 und Werder Bremen, allerdings stehen dem auch nur fünf Unentschieden und 14 Niederlagen gegenüber. Sieht man mal vom FC Heidenheim ab, hat keine andere Mannschaft in der Liga verloren. Die erzielten Tore sind dabei gar nicht so sehr das Problem. Gemeinsam mit dem 1.FC Köln hat man, betrachtet man die Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte, die meisten Tore erzielt. Allerdings gibt es keine andere Mannschaft in der Liga, die mehr Gegentreffer fressen musste. Ein rein sportliches Problem? Nein!

Wolfsburger Verzweiflung wäre untertrieben. Es ist die nackte Angst ums Überleben. Das machten Trainer Daniel Bauer und Spieler Yannick Gerhardt, immerhin Vize-Kapitän, deutlich. Und ob der Volkswagen-Konzern, dem es selber alles andere als gut geht, den Weg mit in die zweite Liga gehen wird, scheint fraglich. Die Fans haben bessere vor, als den VfL beim absteigen zu begleiten. Keine andere Mannschaft, bzw. kein anderes Stadion hat eine geringere Zuschauerauslastung als die Volkswagen-Arena.

Die Panik geht sogar so weit, dass man sich über Felix Magath Gedanken gemacht haben soll. Immerhin soll der das Krisenmanagement nicht übernehmen. Der Name Dieter Hecking fällt indes immer häufiger.

Wenn man die Fehler in der VW-Stadt analysieren will, kommt man an Geschäftsführer Peter Christiansen nicht vorbei. Der Däne ist seit 2024 in Wolfsburg und für die Planung des Kaders verantwortlich. Wie dieser aktuell zusammengestellt ist, ist nicht bundesligatauglich. Zentrale Mittelfeldspieler hat man mehr als genug, die Neuverpflichtungen können nicht überzeugen. Das gilt nicht nur für Christian Eriksen, sondern auch für Vinicius Souza. Eriksen war zwar vereinslos und ablösefrei. Souza kam für 15 Millionen von Sheffield United. Insgesamt hat man in der Sommerperiode knapp 70 Millionen investiert und in der Bilanz ein Minus von rund 30 Millionen erzielt. Im Winter hat man mit 27 Millionen nochmal nachgelegt. Gebracht hat das Ganze nichts. Fakt ist, dass man in den letzten Jahren in Wolfsburg jede Menge Geld verbrannt hat.  Ein Führungsversagen auf ganzer Linie.

Durch die Niederungen des niedersächsischen Fußballs

Havelse, einstmals eine eigenständige Gemeinde im hannoveraner Dunstkreis, gehört heute zur Stadt Garbsen, grenzt aber immer noch an das Stadtgebiet der niedersächsischen Landeshauptstadt und an den Mittellandkanal. Bekannt ist die Stadt auch durch den örtlichen Fußballverein, den TSV Havelse. Der „krebste“ in den letzten Jahren und Jahrzehnten oftmals in den Niederungen des niedersächsischen Fußball, also in der Regionalliga Nord und der Oberliga Niedersachsen-West, spielte zwischen durch und aktuell aber auch immer mal wieder in der 3. Liga. Die höchste Spielklasse, in der die Niedersachen aufliefen war in der Saison 1990/91 die zweite Bundesliga. Damals spielte unter anderem Willi Kronhardt, später u.a. Energie Cottbus für Havelse. Trainer war niemand geringeres als Volker Finke, der später mit dem SC Freiburg für Furore sorgte.

Der Verein exististiert als Gemischtwarenladen, neben Fußball werden auch Tennis, Tischtennis, Balett und Turnen angeboten, bereits seit 1912. 1956 stieg man erstmals in die Bezirksliga und wenig später die Amateurliga 3, damals die dritthöchste Spielklasse auf. 1956 wurde der damalige Vorsitzende wegen „verkapptem Profitum“ verurteilt und sein Verein musste wieder in der Amateurliga starten. Er trat mehr oder weniger freiwillig zurück und der Verein musste lange mit den gemachten Schulden kämpfen. Trotzdem hat man 1964 den Sprung in die neu geschaffene Verbandsliga Süd, die zweithöchste niedersächsische Spielklasse, nur knapp verpasst.

In der 1970er-Jahren holte man sich die Bezirksligameisterschaft. Das hatte man unter anderem niemand geringerem als Frank Pagelsdorf, später Profi bei Hannover 96, Arminia Bielefeld und Borussia Dortmund und Trainer bei Union Berlin, Hansa Rostock, Hamburger SV, Osnabrück und Al-Nasr, zu verdanken. Der traf 1975 im Finale um die Bezirksligameisterschaft gegen den TSV Burgdorf doppelt. Den Aufstieg in die zweite Bundesliga konnte man dann endlich 1990 sichern. Der Aufstieg war aber mindestens eine Nummer zu groß, die Mannschaft erwies sich als nicht zweitligatauglich und der große Nachbar aus Hannover baggerte ziemlich heftig am damaligen Trainer Volker Finke.

Aktuell steht die Mannschaft in der 3. Liga fast aussichtlos in der Abstiegszone. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt vor dem Start der Rückrunde neun Punkte. Deswegen wird man beim TSV Havelse aktuell bereits für die vierte Liga planen.

Quellen:

Havelse – Wikipedia

TSV Havelse – Wikipedia

Der VfB Oldenburg und der „dicke Klaus“

Der VfB Oldenburg, ja das sind die, bei denen „der dicke Klaus“ (Baumgart) von Klaus & Klaus mal Vizepräsident war. Und zwar in den Jahren 1990 bis 1993. Seine Amtszeit fiel in eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte. In dieser Zeit spielten die Oldenburger in der 2. Fußball-Bundesliga. Danach stieg man allerdings ab und schaffte erst 1996 wieder den Aufstieg in die zweite Liga. Seit 1997 spielt man nun in Regionalliga, Oberliga, Niedersachsenliga und mit einjähriger Unterbrechung (2022/2023 in der 3. Liga) wieder in der Regionalliga Nord. Im Jahre 2009 wurde Klaus Baumgart wegen persönlichen, verbalen Angriffen gegen Mannschaft, Trainer und Vorstand aus dem Verein ausgeschlossen.

Gegründet wurde der norddeutsche VfB bereits 1897. Damals hieß der Verein allerdings noch FC Oldenburg und es wurde auf dem Exerzierplatz an der Infanteriekaserne gespielt. 1919 fusionierte der FC Oldenburg mit dem „Fußball Germania von 1903“ und existierte fortan als VfB Oldenburg. Bereits ein Jahr später wurde man Bezirksmeister, in der Qualifikation zur norddeutschen Meisterschaft scheiterte man allerdings.

Bis 1980 spielte man Regional- und Landesliga und durfte dann endlich in der 2. Bundesliga starten. Allerdings ging es ein Jahr später wieder runter in die Oberliga, von wo aus man erst 1990 wieder aufsteigen konnte. Immerhin drei Jahre spielte man in der ein- bzw. zweigleisigen zweiten Bundesliga. Das Team entwickelte sich zur Fahrstuhlmannschaft und geriet, nicht zuletzt deswegen, in finanzielle Schieflage. Während der Saison 1999/2000 wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet, das wurde im Jahr 2000 aber wegen fehlenden 300.000 Euro abgelehnt. Dank einiger Benefizspiele gegen Hamburg, Bremen und Schalke, konnte das Insolvenzverfahren abgeschlossen werden. Allerdings stieg die Mannschaft als Tabellenletzter ab. Aktuell steht die Mannschaft in der Regionalliga Nord mit einem Punkt und einem Spiel Rückstand auf den Tabellenführer Drochtersen auf dem zweiten Platz.

Wertvollste Spieler aus dem aktuellen Kader sind mit jeweils 125.000 Euro Marktwert Innenverteidiger Marc Schröder und der kroatische Mittelfeldspieler Vjekoslav Taritas. Bekannte Vorgänger der beiden waren unter anderem Karsten Baumann (u.a. Köln, Dortmund), Hans-Jörg Butt (u.a. Leverkusen, Hamburg), Lucas Höler (u.a. Frfeiburg) und der glorreiche Paolo da Palma (u.a. Osnabrück, Bochum, Saarbrücken).

Hoch im Norden: Kickers Emden

Emden, man könnte sie auch als Hauptstadt Ostfrieslands bezeichnen, kennen die meisten wohl als Heimat von Otto Waalkes. Dabei hat Emden wesentlich mehr zu bieten. Durch das VW-Werk und den Hafen ist die Stadt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Niedersachsen und den ganzen Norden. Dazu ist Emden Hochschulstandort und auch durch seine Kunsthalle bekannt.

Der Ballspielverein Kickers Emden ist, was den Fußball angeht, der erste Verein in der niedersächsischen Hafenstadt. Gegründet im Jahre 1946 als Nachfolger von diversen Vereinen, die nach dem Krieg aufgelöster Sportvereine. Zunächst spielte man auf dem Bronsplatz im Stadtteil Bentinkshof, ehe man auf den Platz der FT 03 Emden umzog. Im Jahr 1950 bekam man den Kickers-Platz, auf dem man auch heute noch spielt.

1946 durfte man in der Bezirksklasse Ostfriesland starten, die man auch direkt gewann und damit in die Verbandsliga aufstieg. Die weiteren Strecken mussten mit LKW zurückgelegt werden, PKW und Busse standen nicht zur Verfügung. Den Aufstieg in die Landesliga konnte man aber erst 1970 umsetzen. Bis 1990 kam man über die Verbands- und Landesliga allerdings nicht hinaus. Erst zur Saison 1991/1992 konnte man sich das Startrecht für die Oberliga Nord, immerhin damals die dritthöchste Spielklasse, sichern, in der man bis zu der Neugründung der Regionalliga 1994 weiter spielte. Trotz der Erfolge sammelten die Kickers 1,5 Millionen Euro Schulden. Die taten dem Verein sichtlich weg, 1998 drohte dem Verein nach eigenen Angaben das Aus. Um das Ende anzuwenden gründeten Gönner des Vereins eine Kommanditgesellschaft, die dem Verein für 3,3 Millionen DM das Stadiongelände abkaufte. Danach musste der Verein den wiederholten Abstieg in die Oberliga hinnehmen, schaffte aber zehn Jahre später den Sprung in die dritte Liga.

2009 zog man sich freiwillig aus der dritten Liga zurück und ließ auch die Idee eines Stadionneubaus fallen. 2012 verabschiedete man sich aus der Oberliga und trat in der Landesliga Weser-Ems an. 2011 mussten die Emdener allerdings Insolvenz anmelden, das Verfahren wurde 2012 eröffnet und 2013 offiziell beendet. Heute spielen die Kickers Emden in der Regionalliga Nord.

Die bekanntesten Spieler, die das Trikot der Kickers getragen haben waren die Ex-Nationalspieler Jörg Heinrich (u.a. Freiburg, Dortmund, Florenz), Chad Deering (u.a. Schalke 04, Werder Bremen, St. Pauli) und Lawrence Aidoo (Energie Cottbus, Mönchengladbach).

Einmal trug sogar die Torwart-Ikone Uli Stein (u.a. Hamburg, Frankfurt, Bielefeld) das Kickers-Trikot. Stein sprang ein, nachdem die Kickers ein Torwartproblem kommunizierten. Das Spiel gewannen die Emdener mit 3:0.