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Sofia, Erfurt und die rechte Szene

ZSKA Sofia ist, zumindest für uns Ältere, der wohl bekannteste Club aus Bulgarien. Hinter ZSKA verbirgt sich die Abkürzung Zentraler Sportclub der Armee. Vor allem in den 1950er-Jahren war der bulgarische Hauptstadtclub erfolgreich. Bis 1962 holte man neun bulgarische Meisterschaften und gewann dreimal den Sowjetarmee-Pokal. Außerdem konnte man sich, für bulgarische Teams eine Premiere, für den Europapokal der Landesmeister qualifizieren. Auch in den Folgejahren konnte der Verein im Sozialismus weitere Titel gewinnen. Allerdings wurde dem Verein im Jahr 2015 die Lizenz entzogen. Man wurde in die drittklassige W Grupa zurückgestuft, übernahm ein Jahr später allerdings die Lizenz von Litex Lowetsch und spielt seitdem in der ersten bulgarischen Liga.

In Bulgarien, so auch in Sofia, gibt es zwischen Hooligans und Ultras keine klare Abgrenzung. Eine der bekanntesten und berüchtigtsten Ultragruppen bei ZSKA ist die Gruppe Sektor G, die sich nach einem Block im Balgarska-Armia-Stadion benannt hat. Die Gruppe hat nicht nur eine nationalistische, sondern auch eine antiziganistische, albano- und turkophobe Ausrichtung. In Deutschland pflegt die Gruppe Kontakte zu Rot-Weiß Erfurt.

Die Kontakte nach Erfurt werden von beiden Seiten offen gelebt. So war ein Gruppe von Neonazi-Hooligans der Erfurter Gruppe „Jungsturm“ bei einem Derby in Sofia und stand dort in der ersten Reihe. Die Gruppe, deren Führungskader wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt wurde, fiel dort unter anderem durch kollektive Hitlergrüße auf. Einer von ihnen war der ehemalige Basketballer Johann Walter, der früher unter anderem für Jena und Ehingen spielte. Bereits 2014 war Walter, gemeinsam mit verurteilten Neonazis, zu Gast in Sofia.

In Sofia trafen sie auf organisierte Neonazis und Kampfsportler. Eine explosive Kombination, bei denen sich die Gäste aus Erfurt offenbar sichtlich wohl fühlten.

Mitglieder aus beiden Lagern sind in der Gruppe Combat 18 organisiert, eine militante und internationale Organisation, die eigentlich aus England stammt. Dort diente sie als Saalschutz für die British National Party, eine rechtsextremen Partei aus England. In Deutschland ist die Gruppe seit 2020 verboten, in Kanada gilt sie als Terrororganisation. Der Gruppe werden diverse Anschläge und Mordversuche zugeschrieben.

Quelle:

ZSKA Sofia – Wikipedia

Sektor G – Wikipedia

Hitlergrüße, Hakenkreuze und ein Jenaer Basketballer: Neues vom Jungsturm Erfurt und ZSKA Sofia | Rechercheportal Jena-SHK

Combat 18 – Wikipedia

Gewalt ist asozial

Es gibt Spiele, da nimmt man seine Familie mit und es gibt Spiele, bei denen man am besten gleich zu Hause bleibt. Die Zweitliga-Partie zwischen dem 1.FC Magdeburg und Dynamo Dresden gehört zur letzten Kategorie. Aber auch unter anderen Vorzeichen wäre die Wahrscheinlichkeit gering, mich in der Magdeburger MDCC-Arena zu finden. Auf jeden Fall haben Sicherheitskräfte die Partie als Hochrisikospiel eingruppiert. Am Ende stehen 64 verletzte Polizisten, von denen 17 im Krankenhaus behandelt werden mussten. Gewalt soll es aber nicht nur auf den Tribünen, sondern auch vor dem Stadion gegeben haben.

Bereits vor und während der Partie wurde Pyrotechnik gezündet. In der Halbzeit versuchten die „Fans“ aus Magdeburg zum Gästeblock der Dresdener vorzudringen. Die Polizei wurde nicht nur mit Pyrotechnik, sondern auch mit Gullydeckeln, Absperrgittern und Steinen angegriffen. Allesamt Straftaten, die nicht nur im Stadion nichts zu suchen haben. Juristisch gesehen ist das Ganze nicht nur schwere Körperverletzung, sondern auch Landfriedensbruch. Einigkeit dürfte darüber bestehen, dass die Verursacher hart bestraft werden müssen. Stadionverbote reichen hier definitiv nicht aus.

Wie der 1.FC Magdeburg in einer Stellungnahme mitteilt, will man die Vorfälle gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden aufarbeiten und verurteilt gleichzeitig die Gewalt, die von den eigenen Fans kam.

Grundsätzlich ist die Stadionsicherheit nicht nur ein Problem für die Vereine, sondern für unsere Gesellschaft. Gewalt darf in keinster Weise toleriert werden. Das gilt grundsätzlich für die Fans der Heimmannschaft. Gleiches gilt natürlich auch für Gäste und Sicherheitsbehörden. Auch der DFB muss sich stärker einbringen. Ja, Kollektivstrafen sind Mist, allerdings würde sich das Problem bei Spielabbrüchen und Punktabzügen schnell von selber erledigen.

Quellen:

Ausschreitungen bei FCM-Spiel gegen Dresden: Stahlknecht fordert Haftstrafen | MDR.DE

Stellungnahme des 1. FC Magdeburg: 1. FC Magdeburg

Eisenstangen, geräumte Blöcke und Polizeigewalt

Es ist das, was niemand sehen will: Am letzten Donnerstag, kam es am siebten Spieltag der UEFA Europa League vor dem Spiel zwischen dem FC Utrecht und und dem KRC Genk zu Szenen, die in und vor einem Fußballstadion nichts zu suchen haben. Doch was war passiert? Wie die Sportschau berichtet, haben sich 300 Anhänger (gendern ist hier nicht nötig) Zugang zum Gästeblock des Stadion Galgenwaard verschafft. Einer sogenannten Identitätskontrolle und einer Personenkontrolle haben sie sich entzogen. Nach Angaben des KRC Genk sollen es aber „nur“ mehrere Dutzend gewesen sein. Schlimm genug. Auch der Aufforderung, die Kurve zu räumen, kamen die Belgier (gendern immer noch nicht nötig) „überraschenderweise“ nicht nach.

Der KRC Genk verurteilt das Vorgehen der Partei und spricht von unverhältnismäßigem Vorgehen der niederländischen Polizei und von Polizeigewalt. Im Stadion Galgenwaard wurde die Toilettenanlage zerstört und und Sitze im Gästeblock aus der Verankerung gerissen. Vermutlich haben sich die gewaltbereiten Zuschauer dadurch mit Eisenstangen bewaffnet, mit denen sie am Ende die Polizisten angegriffen haben. Am Ende wurden 1.200 Zuschauer aus Belgien ausgeschlossen und die Partie begann 53 Minuten später.

Die Zeitung „Het Laatste Nieuws“ aus Antwerpen zitiert Augenzeugen, die berichten, dass auch normale Anhänger und Senioren verprügelt wurden. Beide Vereine wollen die Eskalation mit den Behörden aufarbeiten. Scheint sinnvoll zu sein, schließlich kommt es, nicht nur in den Niederlanden, immer wieder zu Eskalationen zwischen sogenannten Fans und den Sicherheitsbehörden. Nicht das wir uns falsch verstehen. Die Straftäter müssen überführt und mit aller Härte verurteilt werden. Aber Gewalt gegen Unschuldige kann niemals ein Mittel der Wahl sein. Der KRC Genk will den „normalen Fans“, denen der Zutritt verwehrt wurde, will der Verein Reise- und Ticketkosten erstatten.

Bereits beim Auswärtsspiel des VfB Stuttgart in Deventer wurde das Vorgehen der niederländischen Polizei kritisiert. Damals gab es ein Betretungsverbot der Stadt Deventer für die schwäbischen Fußballfans. Während die VfB-Verantwortlichen damals Kritik äußerten, verteidigte der Bürgermeister das Verhalten seiner Behörden.

Quellen:

Genk klagt über eigene Anhänger und Polizeigewalt: Polizei in Utrecht schließt alle Gästefans aus | sportschau.de

🚨💥 Politie veegt uitvak Galgenwaard leeg | RTV Utrecht – YouTube

Reactie op buitensporig politiegeweld op KRC Genk fans in Utrecht | KRC Genk

Reactie na onregelmatigheden in uitvak FC Utrecht | KRC Genk