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Der Fall Lutz Eigendorf

Es war der 5. März 1983 als Lutz Eigendorf nach dem Spiel seiner Eintracht Braunschweig gegen den VfL Bochum seine Stammkneipe Cockpit in Braunschweig-Querum besuchte. Gegen 22 Uhr soll Eigendorf in seinem Alfa Romeo GTV 6 die Kneipe wieder verlassen haben. Gegen 23 Uhr kam der gebürtige Ostdeutsche von der Straße ab und prallte ohne Anschnallgurt gegen einen Baum und erlag seinen schweren Brust- und Kopfverletzungen zwei Tage nach dem Unfall im Krankenhaus. Eigendorf soll laut Zeugenaussagen nur wenige Biere getrunken haben, sein Blutalkoholwert soll aber trotzdem bei 2,2 Promille gelegen haben. Am 17. März 1983 wurde Eigendorf auf dem Hauptfriedhof Kaiserslautern beerdigt. Eigendorfs Eltern, die für die Beerdigung eine Ausreisegenehmigung aus der DDR erhielten, kehrten nach der Bestattung nicht mehr in die Heimat zurück.

Bereits vor seinem Unfall hatte Eigendorf eine echte Odyssee hinter sich. 1956 in Brandenburg an der Havel geboren, spielte er in DDR für den Stasiclub Berliner FC Dynamo. Die BFC-Kicker hatten das ein oder andere Privileg, so trat man 1979 bei 1. FC Kaiserslautern im Westen. Einen Tag nach der Partie nutzte Eigendorf einen Stadtbummel im Gießen zur Flucht. In Gießen befand sich damals die erste Anlaufstelle für flüchtende Deutsche aus der DDR. Geschickt war die damalige Planung des Freizeitprogrammes demnach nicht wirklich. Sein Ziel war Kaiserslautern, wohin er mit dem Taxi zurückreiste. Dort mietete er sich unter falschem Namen in einer Pension in Trippstadt ein. Danach kam Eigendorf beim damaligen FCK-Präsident Norbert Thines unter.

In der damaligen DDR wurde kaum über Eigendorfs Flucht berichtet, um Nachahmungstäter zu verhindern. Die Funktionäre waren genauso geschockt wie die Stasi. Der Staatsapparat hat in Folge dessen wurde in die idiologische Überprüfung der Sportler intensiviert und hat teilweise auch Spiele im „nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“ abgesagt. Es gilt als erwiesen, dass Eigendorf auch im Westen vor Stasi überwacht worden sein soll. Insgesamt 50 hauptamtliche und 20 inoffizielle Stasi-Agenten sollen auf ihn angesetzt gewesen sein. Auch seine erste Ehefrau, die Eigendorf im Osten alleine gelassen hat, wurde durch die Stasi überwacht, auf sie wurde ein sogenannter Romeo-Agent angesetzt.

Im Hintergrund versuchte man, Eigendorf gegen eine Amnesie zu einer Rückkehr in die DDR zu bewegen. Nachdem das nicht funktionierte, hat man Eigendorf wegen illegalem Grenzübertritt verurteilt und er wurde von der FIFA für ein Jahr gesperrt. Während seiner Sperre arbeitete er als Jugendtrainer und auf der Geschäftsstelle der 1. FC Kaiserslautern. Für den FCK spielte Eigendorf zwei Jahre lang und kam sogar international zum Einsatz, bei Gastspielen in Bulgarien und Russland blieb Eigendorf aus Sicherheitsgründen in der Bundesrepublik.

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Nach seinem Tod gab es schnell Gerüchte, dass die DDR bei Eigendorfs „Unfall“ ihre Finger im Spiel hatte. Der Blutalkoholwert passte nicht mit den Angaben der Zeugen überein. Heribert Schwan, Schriftsteller und Autor, ist ebenfalls ein Befürworter der Mordtheorie. Er geht davon aus, das Eigendorf entführt und mit Alkoholspritzen „behandelt“ wurde. Anschließend gab es durch Blenden zu besagtem Unfall. Allerding soll Eigendorf öfters mal zuviel getrunken haben und wurde deswegen auch von seinem Trainer kurz vor dem Unfall ermahnt.

Aber in der MfS Hauptabteilung XIX, eine Abteilung für Terrorabwehr im Ministerium für Staatsicherheit, existieren Belege die in Zusammenhang mit Eigendorf von Verblitzen, Unfallstatistik, Ohnmacht und Narkosemitteln stehen. Auch auch ein sogenannten „IM“ hat ausgesagt, dass er den Mordauftrag erhalten haben will. Die Akten zu besagtem IM sind seit der Wende verschollen. Das Verfahren wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt wieder aufgenommen.

BFC Dynamo: Der Stasi-Club

Aktuell dümpelt der einstige DDR-Vorzeigeclub in der Regionalliga Nordost herum, und liegt dort auf dem 14. Platz. Zu DDR-Zeiten war der BFC Dynamo aus Alt-Hohenschönhausen Rekordmeister. Ursprung Vereins war die SG Volkspolizei Berlin, den heutigen Namen trägt der Club seit dem 15. Januar 1966.

In der DDR gehörte jeder Verein, der den Beinamen Dynamo trug, zur Sportvereinigung Dynamo. Es handelte sich um die Sportgemeinschaft aller inneren Staatsorgane (Volkspolizei, Stasi, Zollbehörde) der DDR. Kein Wunder also, das der BFC Dynamo der Lieblingsverein zahlreicher hochrangiger DDR-Funktionäre war. So war Ex-Stasi Chef Erich Mielke sogar Ehrenvorsitzender der Berliner.

Es dauerte aber tatsächlich noch bis zur Saison 1978/1979, ehe die Berliner die erste DDR-Meisterschaft einfahren konnten. Den gleichen Titel gewann der BFC insgesamt zehn Mal in Folge. Zur damaligen Zeit trugen Spieler wie Lutz Eigendorf, Frank Rohde, Andreas Thom und Falko Götz das Trikot der Berliner.

Mit dem Ende der DDR begann auch der Untergang der BFC-Kicker. Man verlor logischerweise die Unterstützung aus der Politik und scheiterte in der Qualifikation für die erste und zweite Bundesliga. 2001 rutschte der Club in die Insolvenz und verlor seine Spielberechtigung für die Oberliga.

Mit dem Neuanfang nach der Wende versuchte man sein Glück auch mit einer Umbenennung des Vereines, doch auf Initiative der Fans nannte man kurz vor der Jahrtausendwende wieder in BFC Dynamo um. An alte Erfolge konnte man dadurch zwar nicht mehr anknüpfen, spielt nach zähen Jahren in der Oberliga und der Berlin-Liga nun aber wieder seit 2014 wieder in der Regionalliga Nordost. Dort liegt man aktuell auf dem 15. Tabellenplatz hat aber fünf Punkte Vorsprung auf das Tabellenende der Liga.

Nach der Wende galten die Fans der BFC als extrem gewaltbereit. Das ging soweit, dass ein Berliner Zuschauer beim Gastspiel bei Sachsen Leipzig von einer Polizeikugel getroffen wurde. Auch in den Folgejahren gelten Teile der Anhängerschaft als gewaltbereit. 2016 sprach man laut Wikipedia von Hooligans der Kategorie C und von weit mehr als 200 Hools der Kategorie B. Der Personenkreis wird als rechtsextrem eingestuft. Später haben sich allerdings auch linke Ultragruppen gegründet und auch als Verein hat sich der BFC Dynamo klar positioniert.

Quelle:

BFC Dynamo – Wikipedia

Chemnitzer Vergangenheit mit Licht und braunem Schatten

Der Chemnitzer FC gehört zu den Ost-Vereinen, die nach der Wiedervereinigung zwar in der 2. Bundesliga starten konnten, dann aber irgendwann in den Niederungen des Regionalfußballs verschwanden. Für die Saison 1991/1992 sicherte man sich die Startrechte in der 2. Bundesliga Süd. Damals spielten u.a. Olaf Renn (insgesamt 264 Zweitliga-Spiele) und Steffen Heidrich (32 Erst- und 202 Zweitligaspiele) für die Sachsen. Zum ersten Mal steig man in der Saison 1995/96 ab, schaffte zur Saison 1999/2000 wieder den Sprung in die zweithöchste Spielklasse der Republik. Dieses Mal konnte man nur zwei Jahre in der 2. Liga spielen und stieg mit Akteuren wie Carsten Lakies (u.a. Bayern II) und Jörg Sobiech (u.a. Wattenscheid 09) wieder ab. Davon hat man sich bis heute nicht erholt und spielt aktuell in der Regionalliga Nordost.

Gegründet wurde der Verein als ostdeutscher FCK (FC Karl-Marx-Stadt) im Jahre 1966, seit 1990 hat er seinen Namen mit der Umbenennung der Stadt Karl-Marx-Stadt in Chemnitz ebenso geändert. Als Vorgängervereine werden Chemnitzer SC Britannia (als Gründungsmitglied des DFB) und Chemnitzer BC. Zu Zeiten der DDR spielte man seit 1954, mit einigen Unterbrechungen, in der DDR-Oberliga. 1990/1991 spielte man sogar International, musste aber dort ausgerechnet gegen Borussia Dortmund antreten und schied direkt in der ersten Runde aus. Ein Jahr zuvor gab es nach Siegen gegen Boavista Porto und den FC Sion ein Drittrundenduell gegen Juventus Turin. Allerdings war man in beiden Spielen gegen die Italiener chancenlos.

Im Jahre 2018 musste man sich durch die Tiefen der Insolvenz schlagen. Drei Jahre später können die Chemnitzer behaupten, dass sie nun schuldenfrei sind.

In bundesweite Schlagzeilen geriet der CFC im Jahre 2021 auch wegen einer Traueraktion für den verstorbenen rechtsextremen Hooligan Thomas Haller. Als Gründer einer privaten Sicherheitsfirma war Haller auch für die Stadionsicherheit zuständig. Daniel Frahn, damals Spieler der Chemnitzer, hielt ein Hooligan-Shirt hoch und in der Fankurve wurde ein Banner mit Kreuz ausgebreitet.

Thomas Ulig, damals Vorsitzender. legte deswegen alle Ämter nieder. Peggy Schellenberger, Fanbeauftragte und SPD-Abgeordnete im Chemnitzer Stadtrat wurde genauso von ihren Ämtern enthoben, wie der Stadionsprecher und ein Mitarbeiter der Presseabteilung. Frahn wurde für zwei Spiele (und weitere zwei Spiele auf Bewährung) gesperrt.

Der damalige Insolvenzverwalter Klaus Siemon behauptet in einem Presseartikel, dass er zu der Traueraktion genötigt worden sei. Er berichtete, dass man andernfalls mit massiven Ausschreitungen der Hooliganszene zu rechnen gehabt hätte. Vereinsdokumente und WhatsApp-Verläufe wiedersprechen dieser Aussage allerdings.

Quellen:

Chemnitzer FC – Wikipedia

Insolvenz erfolgreich beendet: Chemnitzer FC schuldenfrei – kicker

Exklusive Dokumente: So kam es wirklich zum Nazi-Skandal beim CFC