Ich kann den Wunsch vieler Herthaner*innen, die zweite Bundesliga hinter sich zu lassen, ja nachvollziehen. Wahrscheinlich ist den meisten von ihnen aber schon längst klar, dass auch die Spielzeit 2026/2027 nicht im Oberhaus, sondern in der zweiten Bundesliga verbracht wird, oder verbracht werden muss.
Da ändert es sich auch nichts daran, wenn die Menschen am RTL-Mikrofon des Aufstieg minütlich ansprechen. Leute, die Hertha hat es verkackt! Nicht nur das Spiel gegen den VfL Bochum, als man in der Nachspielzeit noch das 1:1 fressen musste, sondern über die gesamte Saison verteilt. Aber woran liegts?
Hertha hat aktuell 41 Punkte und damit acht Punkte Rückstand auf Darmstadt 98, die hinter Schalke auf dem zweiten Platz liegen. Bis zum Relegationsplatz, den aktuell die SV Elversberg belegt, sind es „nur“ sieben Punkte.
Als gebürtiger Münsteraner hätte Erwin Kostedde eigentlich als Ur-Westfale gelten müssen, doch der heute 79-jährige Kostedde hatte es als Sohn eines afroamerikanischen GIs und einer deutschen Mutter im Deutschland der Nachkriegszeit nicht immer leicht. Seine erste Schritte im Profifußball machte er auch für die Preußen, ehe er für den MSV Duisburg, Kickers Offenbach, Hertha BSC, Borussia Dortmund, Union Solingen, Werder Bremen und den VfL Osnabrück in der 1. und 2. Bundesliga.
Zwischendurch spielte Kostedde auch im Ausland. Er trug insgesamt vier Jahre (1968- 1971 und 1978/79) das Trikot für Standard Lüttich und im Anschluss an sein zweites Engagement in Belgien auch für den französischen Erstligisten Stade Laval. Dort wurde er sogar ligaweit Torschützenkönig.
Trotz seiner guten Leistungen spielte er nur dreimal im Trikot der Nationalmannschaft. Als erster schwarzer Nationalspieler gab er im Auswärtsspiel in Malta sein Debüt beim 1:0-Sieg, die beiden nächsten Spiele bestritt er gegen England und Griechenland.
Nach seiner Karriere gründete er eine Werbeagentur und arbeitete für einen Spielerberater. Später wurde er Opfer eines Anlangeberaters und soll damals eine Million DM verloren haben.
1990 wurde er von der Polizei verhaftet, weil er mit einem Raubüberfall in Coesfeld in Verbindung gebracht wurde. Wohlwollend kann man behaupten, dass eklatante Ermittlungsfehler gemacht wurden. Heute würde man zurecht von Rassismus sprechen. Bei der Gegenüberstellung mit einer Zeugin wurde nur Erwin Kostedde präsentiert, eigentlich sind jedoch fünf Personen vorgeschrieben. Der zuständige Dienststellenleiter redete sich damit heraus, dass es in dieser Zeit keine fünf dunkelhäutigen Menschen gegebene habe. Am Ende wurde Kostedde freigesprochen.
Die Vorfreude auf die Partie zwischen Hertha BSC und Schalke 04 war bei allen Beteiligten groß. Die Schalker wollten ihren Spitzenplatz festigen, die Berliner wollten nochmal oben angreifen. Geklappt hat beides nicht. Auf den Rängen war auch nicht die übliche Stimmung, die Berliner Ultras haben noch ihre Choreo zum Todestag des ehemaligen Präsidenten Kay Bernstein präsentiert, ehe sie das weite Rund des Olympiastadions verließen. Die Schalker unterstützten den Boykott und waren erst zur zweiten Halbzeit wieder aktiv.
Aber warum? Die Fanhilfe von Hertha BSC berichtet in ihrer offiziellen Pressemitteilung von massiver Polizeigewalt. Es soll um eine grundlose Festnahme und Provokationen der Polizei gehen. Die Situation entstand im Eingangsbereich und später versammelten sich die Ordnungshüter im Eingangsbereich zur Kurve.
Am Ende stehen 30 verletzte Zuschauer*innen die teilweise in die Notaufnahme mussten, andere wurden durch Sanitäter*innen behandelt. Man spricht von einer Eskalations- und Provokationsspirale, die im Stadion seit etwa sechs Monaten läuft. Es gab Dialoge zwischen Verantwortlichen auf beiden Seiten. Damit wollte man die Lage deeskalieren. Funktioniert hat das offensichtlich gar nicht.
Im offiziellen Polizeibericht wird die Lage natürlich völlig anders dargestellt. Im Eingangsbereichen wurde die Einsatzkräfte verbal beschimpft. Dagegen mit Gewalt vorzugehen, scheint mir aber nicht wirklich angemessen zu sein.
Angeblich wurde ein verirrter Schalker in der Berliner Kurve angegriffen, und der Polizei der Zugang verwehr, wodurch es zur Eskalation kam. Wie man sich als Schalker in die Berliner Kurve verlaufen kann, ist mir allerdings schleierhaft.
Hertha BSC teilt in einer offiziellen Meldung mit, dass auch vom Verein wahrgenommen wird, dass die Polizei nicht immer deeskalierend auftritt. Diese Beobachtungen hat man auch gegenüber der Polizei angesprochen.