Die Wiedergeburt von Ferencvaros Budapest

Die Liste der Erfolge von Ferencvaros Budapest nimmt beinahe kein Ende. Insgesamt wurde das Team aus der ungarischen Haupstadt 36mal ungarischer Meister, zum letzten Mal in der Saison 2024/2025. Weiterhin holte man 24 Pokalsiege, sechs Supercupsiege und zweimal den ungarischen Ligapokal. In einer anderen Zeit gewann man 1909 außerdem den österreichischen Ligapokal. Dazu kann Ferencvarosi Torna Club, so der offizielle Name, auf eine lange Tradition zurückschauen. Die Fußballabteilung wurde 1900 gegründet, da gab es den übrigen Verein aber bereits seit einem Jahr. Auch wenn die Grün-Weißen zwischenzeitlich in der zweiten Liga spielten, sind sie Rekordmeister und Rekordpokalsieger.

Benannt ist der Verein nach dem neunten Stadtbezirk Franzstadt, benannt nach dem damaligen österreichischen Kaiser Franz I. Zwischen 1926 und 1944 war die Fußballabteilung eigenständig, kehrte dann aber wieder zu ihrem Stammverein zurück. In den Jahren des ungarischen Stalinismus, gefiel der damaligen Partei- und Staatsführung nicht. Deswegen musste der ungarische Hauptstadtclub unter dem NAmen EDOSZ SE antreten.

Die Mannschaft war nicht nur national, sondern auch in den europäischen Wettbewerben eine feste Größe. 1964/1965 holten sie als den Messestadtpokal, den Vorgänger des UEFA-Cups. Nach Siegen den AS Rom, Athletic Bilbao, Manchester United und Juventus Turin holten sie den ersten und bisher einzigen Europapokal nach Ungarn.

Der Höhenflug der Budapester fand dann 2006 ein jähes Ende. Drei Tage vor dem Saisonstart entschied der ungarische Verband, das der Verein wegen „finanziellen Unregelmäßigkeiten“ in der zweiten Liga antreten muss. Den direkten Wiederaufstieg hat man verpasst, seit 2009 spielt man aber wieder in der ersten ungarischen Liga. Seit 2011 ist man auch wieder regelmäßiger Gast in den Europapokalwettbewerben.

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Aktuell belegt man den zweiten Tabellenplatz und man bei einem Punkt Rückstand auf den Tabellenführer Gyori ETO FC noch die besten Chancen auf den Titel. Wertvollste Spieler im aktuellen Kader sind Mittelfeldspieler Alex Toth (8 Millionen Euro) und der senegalesische Abwehrspieler Ibrahim Cisse (3 Millionen Euro).

Aus deutscher Sicht sind der ruhmreiche Philipp Bönig (u.a. Bayern, MSV Duisburg, VfL Bochum), Benjamin Lauth (u.a. 1860 München, Hamburger SV) und Marko Marin (u.a. Mönchengladbach, Werder Bremen) die bekanntesten Spieler, die in der Vergangenheit das Trikot der Grün-Weißen getragen haben.

Während die Mannschaft von Ferencvaros auf dem Platz überzeugen kann, sind die Ultra-Fans der Grün-Weißen nicht nur berüchtigt, sondern auch gefürchtet. Der Sportbuzzer berichtet von rabiatem Auftreten, doch es ist mehr. Sie sind gewaltbereit, rechtsradikal und homophob. Zuvor hatten die Ultras einen Boykott durchgezogen, weil im Stadion nach der Renovierung Venenscanner angeschafft wurden. Damit wollte man Gewalttäter und Unruhestifter identifizieren und aus dem Stadion halten.

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Wie die Kolleg*innen von lowerblock.com berichtet sind intensive Kontrollen aber durchaus nötig. Im Ferencvaros-Stadion, Groupama Aréna, findet man regelmäßig rechtsextreme Symbole, hört fremdenfeindliche Lieder und nationalistische Rituale. Die Nationalisierung der ungarischen Politik und die Entwicklung bei Ferencvaros stehen in direktem Zusammenhang. Während die Ungarn einen deutlichen Rechtsruck erfahren, zeigt sich das eben auch im Stadion. Geburtstagsfeiern von Adolf Hitler werden ohne scheu, auch öffentlich, gefeiert. Dazu die fremdenfeindliche Gesänge der Ultras und die explosive Mischung aus Leidenschaft, Stolz und Extremismus. Das Ganze begann aber bereits mit der Wiedergeburt der Ultras.

Wie 2021 kolportiert wurde haben die Grün-Weißen die Mehrheit der Einnahmen direkt oder indirekt vom ungarischen Staat kassiert. Die Ultras zu fotografieren ist übrigens streng verboten, auch wenn die einverstanden sind.

Quellen:

Ferencváros Budapest – Wikipedia

Ferencvárosi TC – Vereinsprofil | Transfermarkt

Drei Jahre Boykott: Ferencvaros-Ultras kehren ins Stadion zurück – drei Verletzte

Aus Budapest mit Hass | Im Inneren der Grünen Monster von Ferencváros TC, ihre Politik und Spieltagsrituale – Unterer Block

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