Seit dem Wechsel von Nick Woltemade vom VfB Stuttgart zu Newcastle United liest man immer mal wieder was vom kultigen Traditionsclub, den man in der Bundesliga bzw. unserem Unterhaus auch gerne mit dem FC Schalke 04 vergleicht. Natürlich mag man in der ostenglischen Hafenstadt auf eine gewisse Tradition blicken, allerdings gehören die Magpies dem saudi-arabischen Staatsfond PIF und sind damit eins von vielen Beispielen im Sportwahing.
Beim PIF, dem Public Investment Fund, handelt es sich um einen sogenannten Staatsfond. Einfach gesagt bedeutet dass, das ein Fond im Auftrag des Staates Gelder verwaltet und anlegt. Man kann also sagen, dass das saudische Königshaus direkt in Newcastle mitmischt. Das Gesamtvermögen des PIF wird auf fast eine Billiarde US-Dollar geschätzt. Ursprünglich sollte er Kredite für nationale Kredite bereithalten, heute hat sich das Geschäftsmodell der Saudis aber deutlich geändert. Als globaler Investor will der Fond bis 2030 der Größte der Welt werden. Wie nicht anders zu erwarten ist der Hauptsitz des PIF die saudische Hauptstadt Riad und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman der Vorsitzende.
Im Jahre 2014 wurde dem PIF vom Ministerrat die Genehmigung erteilt, neue Unternehmen, auch außerhalb des Landes, zu finanzieren. Damit will man sich unabhängig von der Ölförderung machen. Aus Sicht der Saudis möglichweise ein logischer Schritt, dennoch muss man auf das gesamte Konstrukt ein wachsames Auge haben. Seit drei Jahren hat die PIF Anteile an der weltgrößten Erdölförderungsgesellschaft, dazu kommen Beteiligungen an der Posco Engineering & Construction Co. (Südkorea), am VisionFund, an einem Bauprojekt im Roten Meer, der Aktiengesellschaft NEOM (Siedlungsprojekt Saudi-Arabien), an der Savvy Games Group, an Foxconn und Nintendo. Dazu ist man Mehrheitseigner bei den saudischen Fußballclubs Al-Ahli, Al-Hilal, Al-Nassr und Al-Ittihad. Dazu gibt es Kooperationen mit der ATP.
Die Rolle von Mohammed bin Salman ist unklar. Klar ist aber, dass die PIF nach der Ermordung von Jamal Khasoggi monatlich 120.000 Euro an ein PR-Unternehmen zahlt, um diplomatischen Schaden für die Regierung abzuwenden. Khasoggi, saudischer Arabischer Journalist und Kritiker des Kronprinzen wurde durch die saudische Regierung getötet. Die Indizien sollen dafür sprechen, dass der Kronprinz den Mord persönlich angeordnet und sein Geheimdienst ihn umgesetzt hat. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Nach außen gibt sich Bin Salman als liberaler Herrscher: Er hat den Verhüllungszwang für Frauen abgeschafft, Frauen dürfen den Führerschein machen und Auto fahren und die Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit abgeschafft. Das Auspeitschen und die Todestrafe für Minderjährige abgeschafft. Bei Erwachsenen stieg der Vollzug der Todesstrafe von 130 auf 345 Hinrichtungen.
Bei Regierungskritikern ist er, was das Beispiel Khasoggi zeigt, weniger liberal. Außerdem geht die humanitäre Katastrophe im Jemen, bei dem 85.000 Kinder an Unterernährung und Infektionen starben auf seine Kappe.
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