Jean Löring und seine Fortuna

Wenn Menschen in meiner Generation an Fortuna Köln denken, dann fallen ihnen wahrscheinlich erst die großen Namen der Vergangenheit ein. Der Verein spielt seit der Saison 1974/1975 in der zweiten Bundesliga, ein Jahr zuvor spielte man sogar in der ersten Liga. Erst in der Saison 1999/2000 musste man sich aus dem bezahlten Fußball verabschieden. Aktuell spielt der Verein in der Regionalliga West.

Die Liste der ehemaligen Spieler liest sich wie eine Legenden-Mannschaft aus grauer Vorzeit. Charles Akonnor, Anthony Baffoe ,Thomas Brdaric, Dirk Hupe, Hannes Linßen, Wolfgang Fahrian, Roy Präger, Wolfgang Rolff, Hans Sarpei , Edgar Schmitt und Tim Wiese sind nur eine kleine Auswahl an ehemaligen Fortuna-Kickern. Mit Toni Schumacher, Bernd Schuster und Uwe Fuchs ist die Liste der ehemaligen Trainer nicht weniger spektakulär. In der ewigen Tabelle liegt das Team aus der Kölner Südstadt immerhin noch auf dem siebten Platz.

Bekanntester Fortuna ist aber, trotz der ganzen Berühmtheiten, der langjährige Präsident und Mäzen Hans „Jean“ Löring. Er war selber aktiver Fußballer, Boxmanager und Unternehmer. Als gelernter Elektriker und Elektrikermeister gründete er die Firma „Hans Löring ELRO Elektro- und Rohrleitungsbau“. Die Führung der Fortuna übernahm er im Jahr 1966 und trat erst 2001 wieder ab. Während seiner Amtszeit half er immer wieder auf dem Rasen auf. 1967/1968 kam er 26 mal zum Einsatz, einmal war er sogar Ersatztorwart. Insgesamt trug er in 38 Spielen das Trikot seiner Fortuna. Er übernahm auch insgesamt fünf mal den Posten des Interimstrainers.

Zu dieser Zeit stiegen die Kölner alle zwei Jahre auf und etablierten sich am Ende in der 2. Bundesliga. Als größter Erfolg seiner Amtszeit wird das Pokalfinale 1983 gegen den FC bewertet. Damals setzte sich der große Rivale mit 1:0 durch. Ein gewisser Größenwahn war Löring weder sportlich noch privat fremd. Er kaufte das Anwesen Haus Kickley im Kreis Düren und nutzte es ausschließlich für repräsentative Zwecke.

Sein Schloss überschrieb er bereits 1996 an seine Frau, ein Jahr später erlitt Löring einen Herzinfarkt. In der Öffentlichkeit war Löring nicht mehr präsent, behielt seinen Posten allerdings bei der Fortuna. Lörings Firmen liefen nicht mehr, im Jahr 2011 soll er Steuerschulden in Höhe von 4,5 Millionen DM gehabt haben. Dadurch kam auch die Fortuna ins Straucheln. Der Club hatte 1,2 Millionen DM Steuerschulden. Im Jahr 203 wurde das Schloss zwangsversteigert, Löring verlor sein Wohnrecht. Heute gehören die Gebäude dem Kölner Unternehmer Enrico Drechsel. Löring war nicht nur völlig mittellos, er litt auch an einer Krebserkrankung und verstarb am 6. März 2005 in Köln.

Die Fortuna musste 2003 Insolvenz anmelden. Trotz zahlreicher Aktionen und trotz der Unterstützung von zahlreichen Prominenten, u.a. Michael Schumacher und Ralf Richter, stieg die Fortuna bis in die Oberliga ab. In der Saison 20024/2005 musste der Spielbetrieb aus finanziellen Gründen eingestellt werden.

Quellen:

Rekordspieler 2. Bundesliga – Fussballdaten

Ewige Tabelle | 2. Bundesliga – kicker

SC Fortuna Köln – Wikipedia

Jean Löring – Wikipedia

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