Ich will niemandem zu Nahe treten, aber mir scheint es so, dass kein Verein eine so hohe Identifikation mit seinem Stadion hat wie der TSV 1860 München mit dem „Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße“. Wer daran zweifelt, dem sei die Rise and Fall-Dokumentation über den TSV 1860 München ans Herz gelegt. Das Stadion liegt in Giesing zwischen dem Weißenseepark und Isar. Das Viertel ist sowohl vom Stadion als auch vom Verein stark geprägt. Im Umfeld finden sich zahlreiche Fan-Kneipen. Allerdings ist auch das Vereinsgelände des FC Bayern nur knapp 1,2 Kilometer von der Grünwalder Straße entfernt.
Gebaut wurde das Stadion durch den Verein im Jahre 1911, seit 1937 befindet es sich allerdings im Besitz der Stadt München, die das Stadion nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut hat. Zwischenzeitlich lag die Kapazität bei knapp 60.000 Zuschauern, der Zuschauerrekord liegt aber schon knapp 80 Jahre zurück. Heute fasst das Stadion 15.000 Zuschauer*innen und wird nicht nur von der ersten Mannschaft des TSV 1860 München, sondern auch von der zweiten Mannschaft des FC Bayern und der Damen-Mannschaft des FFC Wacker München genutzt.
Lange Zeit war das Sechzgerstadion oder die Hermann-Gerland-Kampfbahn, wie es die Bayern-Fans gerne nennen das Stadion, mit der höchsten Nutzungsdichte was Fußballspiele angeht.
Bevor das Stadion an besagter stand, wurde die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Zunächst baute man um das Fußballfeld eine Holztribüne, auf die 160 Zuschauer passten. Umkleidekabinen und Waschräume fand man ebenfalls in der Tribüne.
1919 hat das Kriegsministerium das Stadion gesperrt, da man davon ausging, dass Gefahren von einer Pulverkammer ausgingen, die sich auf der nördlichen Seite des Stadion befand. In der 1920er-Jahren begann dann der Ausbau zu einem „richtigen“ Stadion. Um die Kosten niedrig zuhalten, haben die 60er das Stadion unter anderem an den FC Bayern vermietet. Außerdem fanden im Stadion auch Leichtathletik-, Feldhandball- und Radsportveranstaltungen statt. Der Grund, warum das Stadion vom Verein an die Stadt ging, waren vor allem Liquditätsgründe. Im Anschluss mussten die Sechzger pro Jahr 10.000 Miete an die Stadt München zahlen. Im zweiten Weltkrieg wurde das Stadion fast komplett zerstört.
Bereits im August 1945 wurde das Stadion wieder freigegeben. Die von der Stadt München festgelegte Kapazität lag 1948 bei 45.000 Zuschauern, allerdings verkauften die Sechzger so viele Tickets, dass es gegen Nürnberg die besagte Rekordkulisse gab.
Seit dem Bau und der Eröffnung des Olympiastadions fristet das Stadion an der Grünwalder Straße quasi ein Schattendasein. Für den Profifußball ist das Stadion nicht erst seit heute zu klein. Auch Erweiterungen sind keine umzusetzenden Option.
In der 1970er-Jahre wurde das Stadion nicht nur durch einen Brand, sondern auch von einem Orkan schwer beschädigt. Dazu kam, dass das Stadion nur noch eine Bezirkssportanlage war. Der Bau der AllianzArena, in dem nicht nur der FC Bayern, sondern auch der TSV 1860 München nutzen sollte, setzte dem Verein arg zu und sorgte dafür, dass sich die Löwen zunächst aus den Profi-Fußball verabschieden sollten. Seit dem Abstieg in die vierte Liga 2017 spielen die Löwen wieder ausnahmslos am Stadion an der Grünwalder Straße.
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